Der Heilige Abend in stiller unendlicher Trauer

Der Heilige Abend in stiller unendlicher Trauer

Heute ist der 24.12.2017 und somit Heilig Abend. Jeder hat an diesem Tag seine eigenen Rituale und es ist ein Fest der Freude und Besonnenheit. Doch das ist nicht bei allen so. Auch meine Frau und ich verspüren an diesem heutigen Tag keine Freude, sondern bitterliche und einsame Trauer. Denn dieses Jahr wurde uns am 06.10.2017 das wichtigste genommen was wir hatten. Unseren zu jederzeit treu sorgenden Vater und Schwiegervater.

Mein Schwiegervater die absolute Ruhe in Person

Es war ein so wunderbarer Mann. Vom ersten Tag an hat er mich in seiner Familie akzeptiert, auch wenn es garantiert nicht immer einfach für Ihn war, denn ich kann manchmal ein echter Kotzbrocken sein. Er strahlte eine unendliche Ruhe aus und hatte selbst im schlimmsten Moment immer noch einen flotten Spruch parat. Dies hat er sich nicht nehmen lassen, selbst dann nicht, wenn er in der Notaufnahme lag und man sich um ihn gekümmert hat.

Dieser so liebenswürdige Mensch hat es sogar geschafft mir das tapezieren beizubringen. Dies war garantiert kein leichtes Unterfangen. Denn wir waren umgezogen, meine Frau hatte sich den Fuß verletzt, mein Schwiegervater konnte eigentlich auch schon längst nicht mehr und ich stand dementsprechend richtig unter Druck. In dieser Situation bin ich dann auch ziemlich schnell an die Decke gegangen wenn einmal etwas nicht funktioniert hat. Trotz seiner schweren Krankheit hat er mir geholfen und Stück für Stück erklärt, welche Arbeitsschritte ich machen muss um das gewünschte Ergebnis zu erreichen. Dies war letztes Jahr kurz vor Weihnachten.

Am 24. Dezember 2016 war er sogar noch mit seiner Lebensgefährtin in Frankfurt und hat dort die Heilige Nacht verbracht. Einen Tag später saßen wir bei uns in der Wohnung zusammen, haben uns eine leckere Pute gemacht und wir genossen die gemeinsame Zeit.

Danach ging es dann rapide bergab und wir besuchten ihn mehr im Krankenhaus, als in seiner eigenen Wohnung. Aber meine Frau und ich waren im Gegensatz zu seinen anderen Kindern immer für ihn da. Dies führte dann auch zu einem für mich sehr bewegenden Moment, welchen ich in meinem Leben nie wieder vergessen werde.

Er lag mal wieder im Krankenhaus und freute sich wie immer, dass wir ihn besuchten. Zum Abschied nahm ich wie immer seine Hand und sagte er solle sich auf jeden Fall melden, egal zu welcher Uhrzeit. Dies ist ihm bis zum Schluss nämlich immer am schwersten gefallen. Sich zu melden um auch mal um Hilfe zu Bitten. Dann sagte er die bewegenden Worte: „ Danke, Du bist mein Sohn“.

Heute, ist der 24. Dezember 2017 wir gehen nachher in seine Kirche, in der er Jahre lang als Kirchendiener gearbeitet hat. Er war dort ein sehr angesehener Mann. Hatte immer für alle ein offenes Ohr und war für jeden Spaß zu haben. Anschließend werden wir uns wieder eine leckere Pute zubereiten, diesmal allerdings leider „nur“ in trauter Zweisamkeit. Denn er hat den Kampf gegen den Krebs nach langer, sehr schwerer Leidenszeit verloren. Zurückgelassen hat er eine Familie und eine ganze Kirchengemeinde in tiefster Trauer. Aber wir wissen, dort wo er jetzt ist muss er keine Schmerzen mehr leiden und es geht ihm gut.

Papa, wir vermissen Dich unendlich,

aber es wird nur eine begrenzte Zeit sein,

dann kommen wir beide zu Dir und sehen uns wieder.

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